
Barkasse Jimmy
ehemals Barkasse BIII / Batavia 510
Länge: 17m
Breite: 4m
Baujahr: 1937
Barkasse Jimmy – ein unverwüstlicher Zeuge harter Hafenarbeit
Die Barkasse B III, heute bekannt als Jimmy, wurde 1937 auf der Werft Albert Bonné in Hamburg-Wilhelmsburg gebaut. Ursprünglich diente sie als robuste Arbeitsbarkasse: Sie brachte Hafenarbeiter und Material zur Werft Blohm & Voss und war mit Schleppbock, einem Propeller mit über einem Meter Durchmesser und starker Motorisierung für schwere Hafenarbeit ausgelegt.
Historische Verbindung zur tschechoslowakischen Schifffahrt
Nach dem Ersten Weltkrieg fielen große Teile der deutschen Handelsflotte als Reparationsleistungen an den neu gegründeten tschechoslowakischen Staat:
18 Dampfer, 11 Schnellboote, 189 kleinere Boote, 7 Kettenschleppschiffe, 12 Hafendampfer, 7 Lastboote, 49 Fähren und 21 weitere Fahrzeuge.
Auch Teile des Hamburger Hafens gingen in tschechoslowakische Verwaltung über.
Um diese Flotte zu betreiben und am internationalen Warenverkehr teilzunehmen, gründete die Tschechoslowakei gemeinsam mit mehreren Banken die ČPSL – die Tschechoslowakische Elbe-Schifffahrt AG. Mit der Internationalisierung der Elbe entwickelte sie sich rasant zu einer der größten mitteleuropäischen Reedereien, mit über 4000 Beschäftigten. Eine der wichtigsten Strecken führte von Děčín (Böhmen) nach Hamburg – jährlich wurden über eine Million Tonnen Güter transportiert.
Wie die Barkasse B III zu den Tschechen kam
Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen zahlreiche Schiffe und Hafenstrukturen erneut in alliierte bzw. ausländische Verwaltung über. In diesem Zuge gelangte auch die Barkasse B III in den Besitz der tschechoslowakischen Gesellschaft. Diese firmierte ab den 1950er-Jahren als
ČSPLO – Tschechoslowakische Elbe-Oder-Schifffahrt.
Für die Tschechen war die B III ein vielseitiges Arbeitsschiff im Hamburger Hafen:
- Transport von Hafenarbeitern zu den großen Frachtern
- Materialtransporte zwischen den Liegeplätzen
- Kleine Schleppaufträge im Hafenbetrieb
In den 1970er-Jahren erhielt die Barkasse einen typisch tschechischen Motor: den marinisierten Škoda-Liaz M 634 – ein weit verbreiteter Motor in der ČSPLO mit 189 PS.
Blütezeit und Niedergang
Während der kommunistischen Ära erlebte die tschechoslowakische Schifffahrt ihre wirtschaftliche Hochphase. Die Linien auf der Elbe und Oder waren zentrale Verkehrsadern des Ostblocks. Mit dem Ende des Kommunismus und den politischen Umbrüchen der Wende kam jedoch der Einbruch:
- jahrelang ungewöhnlich niedrige Wasserstände auf der Elbe
- politisch wie wirtschaftlich unglückliche Entscheidungen
- zunehmender Bedeutungsverlust der Wasserstraße
2001 ging die ČSPLO schließlich in Konkurs – die B III war zu diesem Zeitpunkt bereits stark heruntergekommen.
Vom Hafenarbeiter zum Berliner Original
Bereits ein Jahr später schrieb sie Berliner Stadtgeschichte:
Klaus Wowereit gab 2014 sein Abschiedsinterview als regierender Bürgermeister auf der Barkasse Jimmy.
Seitdem ist Jimmy in tausenden Fahrten bei der Berliner Welle zu einem der legendärsten Partyschiffe der Hauptstadt geworden – robust, charmant, ein Überlebender harter Zeiten.
Hafenarbeit, Krieg, Systemwechsel, Aufstieg und Niedergang haben diesem unverwüstlichen Schiff nichts anhaben können.
Vielleicht ist es genau das, was seinen Berliner Vibe ausmacht:
Wenn um uns die Welt untergeht – Jimmy fährt und fährt und fährt.
